Meine Richterin und Henkerin


Ich habe mir einige Tage überlegt, mit welcher Episode ich meinen Blog weiterführen soll und ob Chronologie Sinn macht oder nicht. Doch dann ist wieder mal ein neues Ereignis aufgetreten, das ich gleich hier einarbeiten möchte. Anscheinend wird es in meinen Einträgen einmal um aktuelle Erlebnisse gehen, manchmal um frühere. Falls Fragen oder Unklarheiten entstehen, bitte um Feedback, damit ich es aufnehmen und meine Einträge verbessern kann.

Wie erwähnt, sind wir seit fast 5 Jahren ein Paar, die ersten eineinhalb Jahre waren sehr schwierig für uns – wir mussten uns erst einmal „zusammenraufen“, wie man so schön sagt. Danach folgte eine relativ entspannte Zeit, in der sich vor allem mit Lisa und Niko vieles einspielte und sich ein angenehmes Zusammenleben entwickelte.

Das erste Semester diesen Jahres verbrachte Lisa im Ausland und wir holten sie zu Programmende ab, um noch eine Woche Urlaub zu viert dort zu verbringen. Leider war dies eine Katastrophe (darüber mehr in einem anderen Beitrag) und Lisa verzichtet seither auf die regelmäßigen Besuche bei uns. Niko kommt weiterhin sehr regelmäßig zu uns.

Anfangs war ich noch dahinter, dass Reinhard sich bei Lisa meldet und sich regelmäßig mit ihr alleine trifft. Doch dann beschloss ich mit meiner Therapeutin, das zu machen, was Lisa und Hannah schon öfter von mir forderten, nämlich, mich aus Dingen herauszuhalten, die mich nichts angehen. Hierbei ist es für mich jedoch immer schwierig gewesen, was sie genau darunter verstehen, denn ist es einmal in Ordnung gewesen, die Kinder – da beide Eltern Termine hatten und ich sowieso frei hatte und das Auto bei mir war – zu ihrer Therapie zu bringen (ca. vor eineinhalb Jahren) oder mit Niko ins Spital zu fahren, als er sich im Sportunterricht verletzt hatte (auch ca. vor zwei Jahren; beide Eltern waren ähnlich verhindert wie oben), so war es mir vor dem heurigen Sommerurlaub nicht erlaubt, zu fragen, ob ich Nikos Impfpass mit zu unserem Arzt zwecks Kontrolle der Impfungen mitnehmen darf. Dazu möchte ich noch anmerken, dass ich in beiden obigen früheren Fällen sowohl mit Reinhard als auch mit Hannah Rücksprache hielt und erklärte, dass ich frei habe und das Auto bei mir daheim sei, dass ich mich gerne darum kümmern könne, wenn sie einverstanden seien, aber dass sie es auch gerne selbst machen können und ich mich nicht aufdränge, sondern nur meine Hilfe anbiete.

Nun gut, ich habe also diesen Herbst begonnen, Reinhard zu Treffen mit Lisa zu bewegen, dies dann aber sein lassen. Das führte dazu, dass das komplett einschlief und sie nur mehr über Handynachrichten und seltene Anrufe kommunizierten. Kurz vor Weihnachten dann: Lisa geht es nicht gut und sie weint so viel, denn Reinhard meldet sich nicht bei ihr und es entsteht der Eindruck, es wäre ihm egal, dass sie nicht mehr kommt. Dies hat Reinhard nun zum Anlass genommen, an einem Sonntag alleine etwas mit Lisa zu unternehmen und auch seine Eltern zu besuchen, da auch diese Lisa seit Herbst nicht mehr gesehen haben. Das erste Treffen war für einen Sonntag ausgemacht, an dem Niko bei uns war. Er fragte mich, ob ich etwas mit ihm machen möchte, während Reinhard und Lisa bei den Großeltern sind. Ich war verwundert, da ich davon ausging, dass er auch mitfahren würde und hatte mir schon eine andere Verabredung ausgemacht, die ich aber dann nach vorne verlegte, um Zeit mit Niko zu verbringen. Es kam, wie es kommen musste, und Reinhard und sein Vater wurden kränklich und die Verabredung mit Lisa, Reinhard und den Großeltern wurde eine Woche nach hinten verlegt.

Zwischenzeitlich war ich wieder arbeiten und überlegte in einer Mittagspause, was ich denn an besagtem Sonntag unternehmen würde. Da fiel mir wieder Niko ein. Ich fragte zuerst Reinhard, ob ich Niko fragen könnte, ob er am Sonntag wieder vorhat, etwas mit mir zu unternehmen, damit ich mir nicht wieder etwas anderes ausmache und wie ich das gescheit formulieren könnte. Niko wurde dann kontaktiert und bekam den Auftrag, das auch mit Hannah zu besprechen, falls diese schon etwas mit ihm vorhat. Kurz darauf kam die Antwort von Niko, der meinte, er würde gerne etwas mit mir unternehmen, aber seine Mutter sei nicht einverstanden. Dies verwunderte mich kurz, denn ich ging davon aus, dass Niko sowieso an diesem Sonntag bei uns sei, da er das gesamte vorherige Wochenende hier war und am nächsten Wochenende eben eines folgen müsste, an dem er nur an einem Tag bei uns ist und das eben meist an einem Sonntag. Bei einem Blick in einen Onlinekalender, den Hannah, Reinhard und ich benützen, um einen Überblick über die Termine mit den Kindern zu haben, fiel mir auf, dass ja für die Schüler noch Weihnachtsferien sind und in den Ferien gelten immer Sondervereinbarungen bezüglich Kinderbetreuungszeiten. Somit war eigentlich schon lange Zeit ausgemacht, dass Niko an diesem Wochenende gar nicht erst zu uns kommen würde. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich natürlich niemals nachgefragt, um Niko in keine unangenehme Situation zu bringen. Denn mir würde nie einfallen, ihn nach einer Verabredung zu fragen, wenn er gar nicht bei uns ist (außer in Ausnahmefällen unter der Woche; auch hierzu vielleicht einmal ein anderer Eintrag). Mir war die ganze Situation sehr unangenehm und ich bat Reinhard, das für mich bei Hannah zu erklären. Er sagte dann abends nur, dass alles geklärt wurde und es kein Problem war. Leider stellte sich dann kurz danach heraus, dass Reinhard nur einen kurzen Zweizeiler schrieb, in dem er meinte, ich hätte eh nicht nachgefragt, wenn ich gewusst hätte, dass Niko nicht bei uns ist und dass ich einfach davon ausging. Hannahs Antwort war nur, wie ich denn davon ausgehen könnte, wenn das im Kalender anders steht. Also schwang hier wieder mit, dass ich anscheinend versuche, zu sabotieren und Niko absichtlich in einen Loyalitätskonflikt ziehe (dies hat Hannah uns in den vergangenen Jahren leider bereits häufig vorgeworfen). Reinhard kommentierte Hannahs Rückfrage hierzu nicht weiter und nun kann meine Richterin erneut ein Urteil über mich fällen, ohne die ganze Wahrheit der Geschichte zu kennen. Darin ist sie leider schon sehr geübt.

Für manche mag diese Szene sehr klein und unbedeutend sein, nur leider reichen mittlerweile so kleine, vielleicht auch nichtige Vorkommnisse, um bei mir ein schlechtes Gewissen, Herzrasen, Schlafstörungen und ähnliches zu verursachen. Denn leider bekomme ich von Hannah seit dem Beginn unserer Beziehung vermittelt, ein Störfaktor zu sein, der ihre Kinder ins Unglück treibt, ihr die Hoffnung nimmt, den Ex-Mann doch noch irgendwie zurückzugewinnen (dies war am Anfang zumindest so; heute ist sie vielleicht schon wirklich über ihn hinweg, das kann ich nicht beurteilen) und einfach für alles Schlechte in ihrem Leben und dem Leben ihrer Kinder verantwortlich zu sein. Leider lässt Hannah sich von Beginn an nicht auf ein Treffen, eine Aussprache, eine Möglichkeit, meine Seite zu erzählen, ein. Sie bekommt über mich berichtet, hört die Beweisführung der Anklage, jedoch nicht der Verteidigung und fällt dann ihr Urteil.

Obwohl ich Reinhard schon mehrere Male um Hilfe hierbei gebeten habe, schafft er es hier leider immer noch nicht, mich aus der Schusslinie zu nehmen und die Geschichten, die über mich herumflattern, richtig zu stellen.

Was bleibt mir? Oft sind es Tränen, Wut und Unverständnis. Oft vergesse ich, dass es Menschen gibt, die mich so gerne mögen und mir sagen, was für ein wunderbares Wesen ich bin, das so viel in seinem Leben geschafft hat. Oft streite ich deshalb mit Reinhard, weil er bei meiner Verteidigung zu lasch ist und sich lieber zurückzieht als einen Konflikt auszutragen. Aber manchmal kann ich darüber hinwegsehen und lächeln. Ich lächle darüber, wie blind Menschen sein können, wie ungerecht und selbstgerecht und wie sehr sie sich im Leid eines anderen zu sonnen scheinen. Und dann hoffe ich. Ich hoffe auf den Tag der Einsicht, den Tag, an dem alles gut wird. Auf den Tag, an dem wir an einem Tisch sitzen, Hannah und ihr neuer Mann, den ich ihr so sehr wünsche, Lisa, Niko, Reinhard und ich. Und ich hoffe, dass wir über all die schwierigen Situationen der Vergangenheit lachen können. Denn ich glaube an Happy Ends und das Gute im Menschen. Auch bei Hannah und Lisa. Ich glaube daran!

About Us – An Unconventional Family


Hallo und danke, dass ihr meinen Beitrag lest.
Mein Blog heißt Stepmoments und im Untertitel habe ich erklärt, dass ich hier einige Momente aus meinem Leben als junge Stiefmutter teilen möchte. Zugegeben, mein erster Beitrag hatte nur sehr entfernt etwas damit zu tun (errät jemand, welcher Absatz darauf anspielt?).
Deshalb möchte ich uns hier vorstellen, damit ihr in Zukunft wisst, wer wer ist. Die Namen habe ich geändert, da ich gerne für unsere Freunde und Verwandte unerkannt bleiben möchte. Diejenigen, die uns aufmerksam zuhören, werden uns wahrscheinlich trotzdem erkennen.
Ich bin mit einem zweifachen Vater verlobt. Er heißt Reinhard und ist Mitte 40. Wir sind seit fast 5 Jahren ein Paar.
Reinhard war etwas mehr als zehn Jahre mit Hannah zusammen, die meiste Zeit davon verheiratet. Inzwischen sind sie seit fast genauso langer Zeit geschieden, da Reinhard sich in die damalige Nachbarin Viktoria verliebte. Sie ist Ende 40, Anfang 50.
Hannah und Reinhard haben zwei Kinder: Lisa, die fast volljährig ist und Niko, der um die 15 Jahre alt ist.
Achja, dann bin da noch ich. Ich heiße Philippa und bin Mitte 20.
Lisa und Niko sind normalerweise etwas weniger als die Hälfte der Zeit bei uns, das heißt, es gibt pro Woche immer zwei Kindesumzüge zwischen den beiden Wohnungen.

Was unsere ohnehin nicht so alltägliche Lebenssituation noch etwas spezieller macht, ist meine Transidentität. Ich wurde also nicht als Frau geboren, sondern lebe erst seit 6 Jahren als solche. Reinhard hat mich als Frau kennen- und liebengelernt. Ich bin gesegnet durch ein außergewöhnlich gutes Passing*, sodass Reinhards Familie nicht über meine Vorgeschichte informiert ist und wir planen, es auch dabei zu belassen, da es auch so schon recht kompliziert sein kann.

Für den ersten Überblick sollte das einmal reichen. In den nächsten Tagen möchte ich dann den ersten Beitrag zu unserem Leben und unseren bisherigen Erfahrungen posten.


*Passing, das – Wenn eine transidente Person ein gutes Passing hat, so ist für Menschen, die diese Person nicht persönlich kennen, kaum erkennbar, dass sie vor ihrem Leben als Transgender ein anderes soziales Geschlecht lebte. Das heißt konkret in meinem Fall, dass aufgrund, meines Aussehens, meiner Stimme und meines Verhaltens so gut wie keine Rückschlüsse darauf gezogen werden können, dass ich als Bub zur Welt kam. Dies macht es auch einfacher, dieses Geheimnis vor Reinhards Familie zu bewahren.



Neues Jahr, neues Glück?

Den ersten Tag dieses Jahres, nütze ich heute, um mit einem Jahr abzuschließen, das spannend war – im positiven wie im negativen Sinn – und auf ein glücklicheres und friedvolleres Jahr zu hoffen.

Zwei kleine Menschen sind letztes Jahr in meine Familie dazugekommen (na gut, einer davon schon am Ende des vorangegangenen).  Beide dieser süßen Wesen zaubern ein Lächeln in meine Familie. Sie sind sehr herzig und jeder freut sich, sie zu sehen und sich mit ihnen zu beschäftigen.

Leider verließ auch jemand unsere Familie und überraschte damit sehr viele Leute. Verkraftet hat man das mittlerweile ganz gut, nur leider leidet eine Person unerwarteterweise immer noch darunter, da es keine Gelegenheit gab, sich ordentlich voneinander zu verabschieden.

Manche meiner Freundschaften sind enger geworden oder wurden neu aufgewärmt, andere mussten umgeordnet, neu definiert werden und wieder andere schliefen ein. Darüber war ich anfangs traurig, mittlerweile bin ich einfach nur dankbar, sie gehabt zu haben und habe akzeptiert, dass das manchmal eben der Lauf des Lebens ist.

Am Anfang des Jahres haben wir uns verlobt und ich taumelte wie in Trance vor Freude und Liebe dahin. Eine wunderbare Nebengeschichte war, dass ich das Vertrauen und die ehrliche Zuneigung eines gewissen jungen Mannes gewinnen konnte, der es so gut versteht, uns zum Lachen zu bringen und der mitfühlt, wenn es uns nicht so gut geht, der aber auch weiß, dass er immer auf unsere Hilfe vertrauen kann.

Es war kein einfacher Weg bis zum Tag unserer Verlobung und es scheint, als wäre der weitere Weg ebenso ein herausfordernder. Das hat uns in den letzten Wochen und Monaten viel beschäftigt und viel nachdenken lassen. Wir sind zuversichtlich, gemeinsam unseren Weg erfolgreich zu gehen, auch wenn das viel Arbeit, Geduld und vielleicht auch hier und dort einige negative Emotionen mitbringt. Wir hoffen darauf, am Ende erfolgreich, lächelnd und dankbar auf unsere Vergangenheit zurückzusehen und wünschen uns für unseren Weg Kraft, Ausdauer und die richtigen Strategien, um den einen anzutreiben, den anderen zu beruhigen und wenn nötig einander zu trösten und zu stärken.

Auch beruflich war dieses Jahr kein einfaches, auch wenn es jetzt zum Ende hin eine sehr positive Wendung genommen hat. Doch auch hier bin ich in Frieden verblieben und habe meine Lehren und Erfahrungen nur als Gewinne angenommen. Ich bin sehr dankbar, dass mir mein erster Job gezeigt hat, was ich alles in kurzer Zeit lernen kann, wie professionell ich auch unter unnötigem Zeitdruck arbeiten kann und was ich bereit bin zu akzeptieren und wo meine Grenzen liegen. Besonders dankbar bin ich für meine wunderbaren Kolleginnen, die ich in dieser Zeit getroffen habe, für den starken Zusammenhalt, das Zuhören, Mitfreuen und Mitleiden, für die Geduld, das gemeinsame Lachen und für die stete Motivation, die wir uns trotz Kritik daran nicht nehmen ließen. Alle, die vor bzw. nach mir das Unternehmen verließen beglückwünsche ich zu einer lehrreichen Zeit, aus der man so viel Positives mitnehmen kann, da man so unglaublich viel über sich selbst lernt. All jenen, die planen, das Unternehmen in naher Zukunft zu verlassen, wünsche ich viel Erfolg und Ausdauer, um dieses Ziel zu erreichen.

Was ich dieses Jahr noch gelernt habe – und damit möchte ich auch schon zum Ende kommen – ist vergeben. Auch, wenn sich gewisse Personen nicht entschuldigen, so ist Vergebung trotzdem oft genau das Richtige, um auf sie zu reagieren. Selbst, wenn Menschen über einen richten, ohne, dass einem die Möglichkeit eingeräumt wird, sich zu verteidigen, nur ihre Wahrheit als die einzig gültige betrachten und nur einer Seite Gehör schenken, so kann Vergebung eine passende Antwort darauf sein. Im Grunde sind diese Menschen arm, denn obwohl sie intelligent sind, verhalten sie sich irrational unter einem Vorwand, der ebenso irrational ist. Traurig macht mich, dass ihnen anscheinend Selbstbewusstsein sowie Liebe fehlen und sie durch ihre Taktiken versuchen, anderen ihr Selbstwertgefühl zu rauben. Mittlerweile habe ich meistens meinen Frieden damit geschlossen und diese Situationen angenommen. An manchen Tagen fällt es mir leicht, darüber zu lächeln, an anderen falle ich in meine alten Muster der Panik zurück. Aber auch hier ist für mich ein Lernprozess erkennbar, aus dem ich – egal wie es letztendlich ausgeht – nur gestärkt herausgehen werde. Denn ich bin eine starke Frau, ich wurde von einer starken Frau erzogen und bin so dankbar dafür, dass sie mir gezeigt hat, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Dieser Lernprozess wird mir wieder Klarheit darüber bringen, was ich aushalten kann und wo meine Grenzen der Akzeptanz liegen.

Obwohl ich dieses Jahr immer als ein eher betrübtes in Erinnerung haben werde, so freue ich mich, am Ende doch noch einige positive Lehren ziehen zu können. Da auf Regen auch irgendwann wieder Sonne folgt, freue ich mich jetzt schon, wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen wieder meine Nase kitzeln.